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Das Spannendste an diesem Tag war die Abfahrt. Es war für mich wirklich ein verdammt komisches Gefühl,
mit dem Fahrrad aus meinem Heimatdorf heraus zu fahren und
dabei zu wissen, dass ich voraussichtlich länger als ein halbes Jahr meine Freunde und meine Familie nicht wiedersehen würde.
Außerdem überwältigte mich jetzt wie eigentlich auch während der gesamten Vorbereitungszeit und der ersten Wochen der Tour der Gedanke an das bevorstehende Projekt,
so richtig an sein Gelingen konnte ich noch nicht glauben. Mit einem 7-Gang-Damenrad nach Nepal? Was hatte ich mir da bloß vorgenommen? Andererseits war ich natürlich auch
euphorisch und fühlte mich ungemein cool, jetzt, da ich nach der stressigen Vorbereitung endlich auf dem Rad saß und auf dem Weg nach Nepal war... |
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| Morgens hat sich Till im Fahrstuhl in der Jugendherberge etwa 10 Sekunden lang auf den Alarmknopf gesetzt. Keiner hat uns gerettet. Mittags haben wir uns in einem riesigen Wald total verfranst. Vollkommen verhungert und verschwitzt haben wir uns am Ende des Waldes erstmal in die Elbe gestürzt und danach ausgiebig Pause gemacht. Später haben wir uns nochmal in Dessau verfahren (Ich sag wo's langgeht ...). Insgesamt ein durchwachsener Tag also. |
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Zum Glück folgten wir dem Elbradweg, so dass wir immer wieder die Gelegenheit hatten, in der Elbe zu baden oder uns einfach nur Wasser über den Kopf zu kippen. Es war ein echter Härtetest für die Türkei und den Iran, wo die größte Hitze während der Tour zu erwarten war. Die Route war allerdings besonders auf den letzten 50 km bis Dresden wirklich wunderschön, so dass wir reichlich entschädigt wurden. Stefan hatte die erste Panne, die so ziemlich wichtigste Schraube seines Gepäckträgers ist verloren gegangen, zum Glück hatte Till Ersatz. Gepennt haben wir in der überteuerten Jugendherberge in Dresden. |
| Wir fuhren dann über die Grenze nach Tschechien, wo wir erst mal einen schlechten Eindruck von dem Land bekamen: Hunderte Straßenhändler, Dutzende Prostituierte und unzählige Puffs, oder Püffe, wie ihr wollt. War irgendwie nicht so erbaulich, aber unser erster Eindruck entsprach wie sich schnell zeigen sollte nicht der Realität, wir sollten uns in Tschechien noch ausgesprochen wohl fühlen. Kurz vorm Tagesziel nahm Till dann noch einen riesigen Nagel mit, der ihm den Schlauch völlig zerbohrte. Da musste schon der erste Ersatzschlauch her. Wir übernachteten in einer Jugendherberge, wo wir abends ein ausgesprochen gutes, üppiges und günstiges Essen bekamen. |
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Als wir uns so zum Platz durchfragten trafen wir auf einen Tschechen, Pavel, der uns ganz spontan zu sich nach Hause einlud. Da konnten wir angesichts der widrigen Umstände nicht nein sagen und folgten ihm zu seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Welch ein Riesenglück für uns, in dieser Situation einen so liebenswürdigen Menschen zu treffen. Ihr müsst euch das mal vorstellen: Pavel lud uns ein, ohne das seine Frau Janna und seine Kinder Pavela und Janna, welche erst später nach Hause kommen sollten, auch nur die geringste Ahnung hatten. Als diese dann schließlich nach Hause kamen trafen sie völlig unvorbereitet gleich im Flur ihrer Wohnung auf einen riesigen Berg nassen Gepäcks und kurz darauf begegneten sie drei riesigen, stinkenden Deutschen in Unterhosen im Kinderzimmer, in welchem wir nächtigen durften. Das haben wir irgendwie verpeilt, aber Pavel hat uns auch gar nicht vorbereitet auf die Ankunft seiner Familie... |
| In Prag legten wir einen Ruhetag ein. Nach der herzlichen Verabschiedung von Pavels Familie suchten wir morgens den Campingplatz auf und wuschen dort erst einmal unsere Wäsche. Ein sehr schönes Gefühl, saubere Wäsche zu haben. Dann fuhren wir wieder in die Stadt und betrieben ein wenig Alibi-Sightseeing. Das soll nicht heißen die Stadt hätte uns nicht gefallen, ganz im Gegenteil, aber wir waren einfach zu kaputt um viel zu erkunden. |
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In der Dämmerung passierte Till leider ein zugegeben ziemlich dämliches Malheur: In einem leichten Gefälle bei knappen 40km/h war er unkonzentriert und kam von dem Asphalt ab. Leider war gerade an der Stelle der Randstreifen in einem sehr schlechten, unbefestigten Zustand und so stürzte Till recht schwer und purzelte einige Meter einen kleinen Abhang hinunter. Fuck off... Nach dem ersten Schock untersuchten wir langsam die Schäden an Till und seinem Fahrrad. Till hatte starke Schmerzen an der Hüfte und am Handgelenk. Was genau er sich getan hatte wissen wir bis heute nicht, weil er nicht zum Arzt gehen wollte. Das Rad war völlig unbeschädigt geblieben. Wir waren erstmal alle ziemlich mit den Nerven am Ende, schließlich war zunächst unklar ob Till überhaupt würde weiterfahren können. Irgendwie schleppten wir uns noch zu einem nahegelegenen Campingplatz wo wir eine günstige Hütte mieteten. |
| Nach dem Pausentag ging es Tills geschundenen Knochen etwas besser und wir beschlossen weiterzufahren, wenn auch klar war, dass wir zunächst nicht mehr solche lange Etappen wie zu Beginn der Tour würden fahren können. Wir fuhren dann im Nieselregen erstmal durch einige sehr hübsche kleine tschechische Ortschaften. In einem Spielzeugladen kauften wir uns als Maskottchen ein ziemlich hässliches Stofftier, welchem wir den Namen Piotr gaben. |
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Etwas später bemerkte Till, dass sein Reifen gegen den Rahmen kam. Weil er eine Acht vermutete nahm er erst mal das Gepäck herunter. Dann ein Aufschrei: Sein Rahmen war gebrochen, direkt vor der Hinterradnabe!! Wir waren richtig verzweifelt, erstmal aufgrund des abermaligen Pechs und dann wussten wir vor allem auch wirklich nicht was wir nun machen sollten. Doch dann geschahen Dinge, die uns extrem unwirklich vorkamen: Erstmal bemerkten wir, und man beachte jetzt den unglaublichen Zufall, dass wir direkt unter einem Schild mit der Aufschrift "Auto Servis 20m" standen! Da mussten wir natürlich mal fragen, ob die uns nicht vielleicht helfen konnten. Und wirklich, da war ein bäriger, öliger, tschechischer Automechaniker, der schaute sich das Ganze kurz an, holte sein Werkzeug und schweißte den Rahmen perfekt zusammen. Der Mechaniker war eine urige Gestalt und sprach in der ganzen Zeit nicht ein einziges Wort. Till bezahlte knapp 4 Euro und wir fuhren weiter, der Rahmen sollte noch weit über 10.000km halten. |
| Dann kam die Grenze nach Österreich auf ca. 600 Metern Höhe, genau zu diesem Zeitpunkt riss die Wolkendecke auf und es wurde angenehm warm. Der österreichische Grenzbeamte warf einen kurzen Blick in unsere Pässe, rief: "Ah, von der niedersächsschen Landshauptstadt kommts her, na dann fahrts man duärch", und schon waren wir in Österreich. Wir waren total selig und so konnten uns auch die vielen folgenden Berge, die uns auf bis zu 830 Meter Höhe führten, nichts anhaben. In Zwettl machten wir Pause auf dem Hundertwassermarktplatz, auf einmal stellte sich ein etwa zehnjähriger Junge vor uns hin, schaute uns lange mit einem prüfenden Blick an und sagte: "Zu viel Haschisch ist meine Meinung". Dann rannte er davon und wir kringelten uns am Boden vor Lachen. |
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Später kamen wir nach Wien, sicherlich eine tolle Stadt, welche uns in der kurzen Zeit aber eher nicht so gut gefiel. Irgendwie war es uns alles zu protzig und teuer. Direkt neben unserer unfreundlichen Herberge verlief eine Schnellstrasse, die Nacht war dementsprechend unangenehm. Wien hat uns einfach auf dem falschen Fuß erwischt... |
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Wir besuchten dann noch das wirklich tolle Hundertwasserhaus, schrieben im Wiener
Prater ein paar Postkarten und verließen dann Wien entlang der Donau, wo uns
gemeinerweise ein unschöner, mehrere Kilometer langer FKK-Strand auflauerte. Das war nicht so angenehm...
Später hatte ich mal wieder einen Platten und da das Loch unauffindbar
war musste ein Ersatzschlauch her.
Dann fuhren wir in die Slowakei hinein, durch Bratislava hindurch und hielten nach einem
Schlafplatz Ausschau. Wir wollten mal wieder unter freiem Himmel übernachten.
Irgendwann tauchte vor uns etwas auf das nach riesigen Rauchschwaden aussah, doch als wir näeherkamen stellte es sich als Heuschreckenschwärme heraus! Das war richtig hitchcockmäßig als wir da hindurchfuhren: Andauernd bekam man die Biester in die Augen, in die Nase und in die Ohren, der ganze Körper juckte weil Dutzende von den Viechern darauf herumkrabbelten. Nach ein paar Kilometern gaben wir enttnervt auf, schlugen unser Zelt neben der Donau auf und schliefen erschöpft ein. |
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Am nächsten Morgen krochen wir um 5 Uhr in der Früh, also pünktlich zum Sonnenaufgang, aus unserem Zelt und frühstückten erstmal ausgiebig. Als wir dann aufbrechen wollten und zurück zum Donauradweg schoben entdeckten wir ein Pärchen beim Stelldichein auf der Motorhaube. Puuh, peinlich, zum Glück hatten sie uns nicht bemerkt. Eine halbe Stunde später war die Luft rein und wir konnten aufbrechen. Zunächst fuhren wir dann 80 Kilometer fast ohne Pause durch, immer bei leichtem Nieselregen. Dabei kamen wir durch sehr hübsche slowakische Ortschaften in denen uns beinahe alle freudig zuwanken. Sehr nette Leute, die Slowaken. |
| Die Fahrt nach Budapest war eine besonders schöne Etappe. Zunächst fuhren wir in das fantastische Esztergom, wo wir die Kathedrale besichtigten. An diesem Tag kam der ungarische Ministerpräsident zu einem Besuch in die Stadt und der Rummel war entsprechend riesig. Wir bekamen sogar noch die Einfahrt von der gewaltigen Staatswagenkolonne mit, dann suchten wir schnell das Weite. Anschließend fuhren wir zwischen beeindruckenden Felsen das Donauknie entlang, eine tolle Gegend. |
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In Szetendre waren wir dann noch beim Chinesen, kurz darauf waren wir auch schon in Budapest.
Wir suchten eine Herberge auf und zogen danach noch mal im Zentrum um die Blöcke und ließen uns treiben. Die Stadt gefiel uns auf Anhieb sehr.
In Budapest legten wir einen Pausentag ein, ich verbrachte viel Zeit im Internetcafe, vorm Fernseher (in der Tat schliefen wir alle drei beim WM-Finale Deutschland-Brasilien ein...) und mit Erledigungen in einem riesigen Einkaufszentrum. Eigentlich schade, dass am Ende so wenig Zeit zur Besichtigung der tollen Stadt Budapest blieb. |
| Auf einer großen und unangenehmen Straße kämpften wir uns aus Budapest. Sozusagen am Ende der Stadt wartete die Puszta auf uns. Viele Sonnenblumenfelder schmückten die Gegend und zunächst fanden wir die Landschaft sehr hübsch anzusehen. Von nun an war leider mehrere Tage lang der Wind unser großer Feind. An diesem Tag sollten wir nur einen Schnitt von etwa 15 km/h erreichen, ohne belgischen Kreisel hätten wir wohl entnervt aufgegeben. |
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An Stefans Geburtstag weckten wir ihn um 6 Uhr morgens mit einem Ständchen, ich bin mir nicht ganz sicher ob er sich auch wirklich gefreut hat... Beim Frühstück hatte ich einen kleinen Disput mit der Kaffeemaschine bei dem die Tischdecke als großer Verlierer hervorging. War aber auch ein komisches System. Die Puszta erschien uns nun langsam als ziemlich öde, da war einfach nichts außer Sonnenblumenfeldern. Der stürmische Gegenwind verhagelte uns zudem die Lust am Radeln gründlich. |
| Wieder bei heftigem Gegenwind fuhren wir vormittags bis zur rumänischen Grenze. Dort dauerte es mehr als eine Stunde bis wir endlich in das viel Abenteuer versprechende Land hinein durften. Als wir uns gleich im ersten Ort zur Mittagspause nieder ließen, da brachte uns eine Rumänin einen Tisch und frische Tomaten aus ihrem Garten. Wir waren baff, Rumänien gefiel uns sofort. |
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Fluchtartig verließen wir die Stadt und passierten kurz darauf mehrere Ortschaften in denen wir uns plötzlich in einer anderen Zeit wähnten: Keine Autos weit und breit sondern nur Pferdekutschen, dazu wurde die Strasse von allen möglichen Tieren bevölkert: Pferde, Kühe, Schweine, Gänse, Hühner, Hunde, Katzen, Truthähne, dazu noch Storchennester in jedem Dorf. Es war einfach ein Traum hier zu radeln. Die vielen gelangweilt vor ihren Häusern sitzenden Leute staunten uns mit großen Augen hinterher, grüßten freundlich und johlten uns hinterher. Einfach toll, wir fühlten uns furchtbar wohl hier und unsere Laune stieg ins Unermessliche. |
| Wir übernachteten in unseren Hängematten, die wir an Zwetschgenbäume hingen, welche umringt von Sonnenblumenfeldern waren. Ein sehr romantischer Schlafplatz der uns zunächst auch einen seligen Schlaf bescherte. Doch mitten in der Nacht weckte uns ein Traktor dessen Insassen dann Bienenkörbe abluden und nicht, wie Till zunächst vermutet hatte, Kalaschnikows verbuddelten... |
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Der Tag fing so an wie der letzte geendet hatte: Mit idyllischen transsylvanischen Dörfern in einer sanft hügeligen Landschaft. Es war nun extrem heiß und so machten wir mittags wieder ein kleines Nickerchen um der größten Hitze zu entgehen. Ich konnte nicht wirklich schlafen und spielte stattdessen mit einem neugierigen kleinen rumänischen Jungen ein Stündchen Fußball, was er dann sogleich mit stolzgeschwellter Brust seiner Mutter berichtete. Das war sehr nett. |
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Kurz darauf hielt ein Auto neben uns und die Insassen, zwei jugendliche Rumänen, luden uns ein ihnen zu folgen und ein wenig zu plaudern, während sie Bienenkörbe abladen wollten. Wir folgten den Imkern, bekamen Honig und Pflaumenschnaps geschenkt und unterhielten uns wirklich sehr nett mit ihnen. Die Jungs waren ziemlich locker drauf und wir hatten eine gute Zeit. Leider fing es dann an zu gewittern, so dass wir in Windeseile an Ort und Stelle unser Zelt aufschlugen. Dann schlummerten wir betrunken und voller spannender neuer Eindrücke ein... |
| Morgens stellten wir erfreut fest, dass unser Schlafplatz nur knappe hundert Meter von einem Fluss entfernt lag, welcher nun wunderschön im Morgennebel mäanderte. Stefan und ich ergriffen die Gelegenheit und wuschen uns und einige unserer Klamotten. |
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Abends hatte Till einen Platten. Er flickte ihn, doch als wir weiterfuhren war der Reifen gleich wieder platt. Er flickte ihn abermals, aber wieder hielt das Ganze nicht lange, es war zum Haare raufen. Frustriert suchten wir nach einem Schlafplatz und fanden ein paar Bäume am Fluss, wo dann wieder unsere Hängematten zum Einsatz kamen. |
| Die morgendliche Fahrt nach Sebes war vor allem reich an Schlaglöchern, mit knappen 12 km/h im Schnitt hoppelten wir dahin. Sebes war aus unserer Sicht eine schreckliche Stadt. Im Wesentlichen bekamen wir durch diverse schräge Wortwechsel den Eindruck, dass wir nur von Halunken umgeben waren. Und eine aufdringliche Bettlerin mit einem Baby auf dem Arm redete solange auf Till ein bis dieser ihr enttnervt Piotr schenkte, woraufhin sie zurfrieden von uns abließ. Ein harter Schlag für uns, unser Maskottchen war weg!! Entnervt verließen wir fluchtartig die Stadt. |
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| Nun ging es zunächst nur bergauf, vorbei an riesigen Stauseen und bis auf eine Höhe von knapp 1700 Metern. Dann kam eine tolle Abfahrt, welche uns wieder herunter auf 1200 Meter führte. Anschließend kehrten wir in einem Restaurant ein. Till wollte eigentlich eine Speisekarte klarmachen, doch da es keine gab und uns keiner verstand bestellte er einfach mal drei Menüs. Was folgte war der widerlichste Fraß unseres Lebens: Zunächst gab es eine versalzene Fischsuppe mit Milch, dann kamen drei fettige Bratwürste ohne jegliche Beilage und dann, als krönenden Abschluss, das Dessert, bestehend aus 2 Spiegeleiern, Griesbrei, Schafskäse, Butter und oben drüber saure Sahne. Die Rumänen und ihre Esskultur, einfach nur ... |
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Stefan hatte dann noch einen Platten und bei der Zwangspause wurden wir von hunderten von Mücken umlagert, um unsere Motivation war es nun wirklich nicht mehr gut bestellt. Doch als wir uns dann so langsam nach oben kämpften ging es uns wieder besser und als wir über der Baumgrenze waren und um uns herum sich fantastische Ausblicke auftaten, da gab es kein Halten mehr und wir stürmten förmlich hoch zum Pass. Dabei mussten wir allerdings viel schieben, der Schotterweg war übersät mit dicken Steinen und zudem sehr steil. |
| Euphorisch schlugen wir am höchsten Punkt unser Zelt auf. Die Aussicht war traumhaft, der absolute Wahnsinn. Um uns herum waren noch einige Pferde und eine Schafherde, sonst war alles still. Und bitterkalt. Als wir uns schlafen legten zog ein Gewitter auf, und da es wenig später mächtig krachte waren wir froh, am nächsten Morgen noch am Leben zu sein ... |
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Früh am nächsten Morgen bot sich uns ein traumhaftes Bild mit dichten Wolkenbänken, die tief unter uns in den Tälern hingen. Nach dem Frühstück folgte die heftige Abfahrt, fast 30 Kilometer auf einem grottenschlechten Weg, der für unsere Fahrräder sehr schmerzhaft war und in der Tat einige kleinere Reparaturen nach sich zog. Als wir unten angekommen in Novaci essen gingen wurden wir tatsächlich etwas wehmütig, da wir mit den Karpaten nun den absoluten Höhepunkt der Fahrt bis Istanbul hinter uns liegen hatten. Vor uns lag die Aussicht auf die heiße Walachei und das angeblich so gefährliche Bulgarien, was uns beides nicht gerade frohlocken ließ. |
| Ein furchtbar eintöniger Tag folgte, wir fuhren eben mitten durch die Walachei, die genauso aussah, wie man sie sich dem Namen nach vorstellt. Abends erwischte Stefan bei hoher Geschwindigkeit ein besonders tiefes Schlagloch, wodurch der Gepäckträger einfach unter der Last wegknickte, eine Speiche brach und die Felge verbog. Das Ganze wurde erst einmal provisorisch geflickt und wir suchten uns einen Schlafplatz an einem kleinen Waldstück. |
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Nach zunächst langweiliger Fahrt gab es mittags dann doch noch ein absolutes Highlight: In einem kleinen Dorf lernten wir den lebensfrohen Aurel kennen, der uns zu sich nach Hause zum Essen einlud. Dort lernten wir dann die berühmte rumänische Gastfreundschaft kennen: Lica, Aurels Frau, tischte uns Salat aus dem eigenen Garten auf, dazu Fisch, Putenfleisch, Kaffee und selbstgegärten Rotwein. Wir wurden mit dem Gartenschlauch geduscht und Lica wollte sogar noch unsere Wäsche waschen, was wir dann mit viel Überzeugungsarbeit verhindern konnten. |
| Lica nutzte die Gelegenheit unseres verlängerten Aufenthaltes und holte ihre Tochter Anca in die Runde. Wir hatten den Eindruck, sie wollte einen von uns mit ihr verkuppeln, zumindest steckte sie mir die Telefonnummer von Anca unterm Tisch zu. Doch irgendwie passte die Konstellation nicht so gut, Anca war auf jeden Fall über 30, und so holte Lica gleich noch Rebecca, auch eine irgendwie geartete Verwandte von ihr, in die Runde und ließ sie mit Till und mir allein. Stefan versuchte währenddessen den aufgedrehten und betrunkenen Aurel von seinem Fahrrad fernzuhalten, da der nach der erfolgreichen Reparatur des Plattens nun noch mehr an dem Fahrrad überholen wollte. Rebecca sprach sehr gut Englisch und wir bekamen sehr interessante Infos von ihr, sowohl über das Land Rumänien als auch über unsere Gastgeber. Rebecca schien sich auch köstlich zu amüsieren, naja, wir waren auch ziemlich betrunken. |
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| An dem bis dato heißesten Tag der Tour quälten wir uns immernoch durch die todlangweilige Walachei. In der prallen Mittagshitze fuhren wir zum Beispiel einen 30 Kilometer langen und schnurgeraden Feldweg entlang, ohne durch einen einzigen Ort zu kommen. Noch nicht mal ein einziger Baum lag auf dieser Strecke, und dummerweise hatten wir etwas wenig Wasser dabei. Das war doch ganz schön unangenehm, aber letztendlich alles eine Frage des Kopfes, wie Till immer zu sagen pflegte. |
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Wir fuhren dann noch über unzählige kleine, aber hundsgemeine Hügel nach Targoviste, wo wir entkräftet ein Hotel aufsuchten. Jetzt wäre langsam mal wieder Zeit für einen Ruhetag gewesen, aber der enge Zeitplan ließ das nun nicht mehr zu. Abends gingen wir nochmal essen, in dem Restaurant stand gerade bulgarischer Volkstanz auf dem Programm. Sehr amüsant zwar, aber wir waren froh, dass keiner uns zum Mitmachen aufforderte. |
| Mittags folgten wir knappe 30 Kilometer einem schlechten Schotterweg ohne zu wissen, wo wir uns befanden, geschweige denn wo der Weg hinführen mochte. Dabei begegneten wie mehreren tollen Adlern und sogar drei Wildschweinen. Letztendlich trafen wir dann auch wieder auf eine Strasse und stellten verwundert fest, dass wir genau dort waren wo wir ursprünglich hingewollt hatten. Puh, da waren wir aber erleichtert. Abends fanden wir ein günstiges Hotel und gaben dann noch unsere letzten bulgarischen Münzen im Ort für Essen aus. |
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Morgens bald nach der Abfahrt platzte mein hinterer Mantel, was allerdings nicht so überraschend kam, er war doch schon sehr stark abgefahren. Wir flickten das Ganze provisorisch indem wir ein paar Meter Schnur fest um ihn wickelten, so dass ich wenigstens noch in die nächste Stadt eiern konnte. |
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Ich hatte nicht gedacht, dass man Istanbul nun noch verfehlen könnte, doch in meiner Unachtsamkeit verwechselte
ich zwei Ortsnamen und wir fuhren ganze 25 Kilometer in die falsche Richtung, genau nach Norden.
Sehr frustrierend war das, allerdings bemerkten wir, dass wir dadurch nur noch knappe 5 Kilometer
vom Schwarzen Meer entfernt waren. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und raste kurz dorthin,
sprang ins Meer und raste wieder zu den anderen Beiden zurück,
die derweil eine Dorfbevölkerung mit unseren Fotos unterhalten hatten.
Danach entschlossen wir uns, mit dem Bus die letzten Kilometer nach Istanbul zu fahren, schließlich war die heutige Ankunft fest eingeplant. Letztendlich haben wir uns den Umweg sogar noch schönreden können, haben wir uns doch so die verkehrsreiche Einfahrt in die Metropole Istanbul erspart. |
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In Istanbuls Innenstadt angekommen landeten wir in einem
Hotel, dass sich als wahrer Glücksfall für uns entpuppte: Wir konnten den Preis pro Person von 17
auf 10 Euro herunter handeln, das Ganze mit Frühstück, TV und Klimaanlage, mitten in Sultanahmet, dem
Touristenviertel Istanbuls. Somit hatten Till und Stefan ihr Ziel, sowie ich mein erster großes Zwischenziel erreicht. |
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