Einleitung (Reisezeit: März 2006)

Nach jahrelangem Träumen war es nun also soweit: Ich fuhr nach Marokko! So groß meine Vorfreude aber auch war, so groß waren auch meine Bedenken im Voraus:

Erstens fuhr ich zum ersten Mal seit langem alleine, was zwar einige Vorteile versprach, insgesamt aber nicht mein Wunsch war und mich durchaus etwas nervös machte. Ich hatte eigentlich gehofft, dass meine Kumpels Stefan und Till mitfahren würden, aber leider waren beide aus unterschiedlichen Gründen verhindert.

Zweitens hatte ich leichte gesundheitliche Bedenken, in erster Linie die Funktionsfähigkeit meiner Knie betreffend. Mein linkes Knie war im Jahr zuvor wegen eines Knorpelschadens operiert worden und seitdem problemfrei geblieben, aber ich war nicht ganz sicher ob es den Belastungen standhalten würde. Insgesamt hatte ich fast ein Jahr lang nur sehr sporadisch Sport getrieben und war demnach nicht besonders fit.

Obwohl die Vorzeichen also nicht optimal waren wollte ich möglichst viel von Marokko mitnehmen und plante die Route (aus meiner Sicht) relativ optimistisch: Vom Flughafen Agadir aus wollte ich zunächst direkt über Taliouine nach Agdz radeln. Weiter wollte ich über Alnif den Jbel Sarhro umrunden und zudem einen Abstecher in die Todhra- und evtl. auch einen in die Dades-Schlucht machen. Danach sollte zum ersten Mal in den Hohen Atlas gehen, der Tizi-n-Tichka war das Ziel. Nach Ruhetagen in Marrakesh wollte ich über den Tizi-n-Test zurück nach Agadir fahren. Zudem hatte ich noch einen eventuellen Abstecher nach Tafraoute im Hinterkopf, falls es unerwartet schnell vorangehen sollte.

Bericht

Tag 1 (Flug nach Agadir, Agadir - Taroudannt):
Schon der Hinflug war einigermaßen spektakulär, denn die Route führte sehr nahe am Hohen Atlas entlang und die Aussichten auf die schneebedeckten Berge waren grandios (die Idee, mir beim Vorabend-Check-In einen Fensterplatz auf der entsprechenden Seite zu sichern, hatte ich aus dem Rad-Forum geklaut).

In Agadir angekommen, stellte ich erleichtert fest, dass mein Rad beim Transport nicht zu Schaden gekommen war. Nur ein Haken einer Lowrider-Tasche war abgerissen, aber Kabelbinder lösten dieses kleine Problem. Noch vor den meisten Strandurlaubern verließ ich mit beladenem Rad die Halle und hinterließ verdutzte und teilweise mitleidige Gesichter. Ein köstlicher Moment!

Die Strecke nach Taroudannt war wie erwartet ziemlich öde, aber immerhin hatte ich starken Rückenwind. Die Unterhaltung bestand im Wesentlichen in dem ständigen Winken und Rufen der vielen Kinder, welches mir in den nächsten beiden Wochen nur selten von der Seite weichen sollte. Ich war sehr froh, nun in Marokko unterwegs zu sein. Und gleich bei meiner ersten Rast hatte ich eine sehr erfreuliche Begegnung: Zwei Polizisten hielten bei mir und fragten mich doch tatsächlich, ob sie mir etwas zu essen aus dem nächsten Ort besorgen sollten! Gastfreundschaft war in Marokko ja zu erwarten gewesen, aber das war nun doch ziemlich überwältigend für mich, wo ich doch gerade erst angekommen war. Da ich unnötigerweise ziemlich viel Essen aus Deutschland mitgebracht hatte, lehnte ich das nette Angebot an, plauderte aber so noch eine Weile mit den Polizisten. Soweit es mein eingerostetes Französisch zuließ...

Auch bei der Einfahrt in die Stadt Taroudannt war ich zunächst absolut sprachlos. Soeben schien die Schule vorbei gewesen zu sein und nun strömten Hunderte von Kindern und Jugendlichen auf dem Weg nach Hause durch die engen Gassen der Stadt, ein wahnsinniges Gewusel! Berauscht von den vielen Eindrücken kehrte ich im sehr freundlichen und empfehlenswerten Hotel Atlas ein und legte mich schon bald darauf schlafen, denn ich war ja schon um halb vier Uhr morgens aufgestanden und nun entsprechend erschöpft.

Tag 2 (Taroudannt - Taliouine):
Der darauffolgende Tag begann mit starkem Gegenwind, aber zur Mittagszeit drehte der Wind und erleichterte mir fortan die Fahrt die durch die eher langweilige Sous-Ebene führte. Negativer Höhepunkt des Tages war mein Versuch mir mittags Nudeln zu kochen: mit dem blöden Esbit-Kocher dauerte es eine Ewigkeit bis das Wasser kochte, und erst als die Nudeln schließlich irgendwann fertig waren bemerkte ich dass der Topf übersät mit dem weißen Pulver der Esbit-Tabletten war. Ich hatte die verpackten Esbit-Tabletten im Topf gelagert und unerklärlicherweise nicht eher bemerkt dass sie zerbröselt waren und sich im Topf verteilt hatten. So gab es also leider keine Nudeln sondern nur trockenes Honigbrot - ich war bedient.

Doch als ich kurz darauf an einem einzeln in der Landschaft stehenden Laden hielt und sich nach und nach immer mehr Leute aus dem anliegenden Haus in die Mittagshitze begaben um mich neugierig zu beäugen, da stieg meine Laune wieder. Die Menschen - am Ende waren es fast 20! - machten einen so gutgelaunten, freundlichen Eindruck, dass es die reinste Freude war, wenngleich keine Kommunikation auf sprachlicher Ebene möglich war.

Nach dieser Erbauung nahm ich den ersten Pass der Tour in Angriff, welcher sich allerdings als eher kleine Hürde herausstellte. Offensichtlich hatte ich im Laufe des Tages bereits mehr Höhenmeter bewältigt als ich gedacht hatte. Am späten Nachmittag landete ich dann in Taliouine in einer ziemlich üblen Absteige, die mich nur 25 Dhs kostete. Eigentlich wollte ich derartige Hotels meiden, aber der Besitzer war so freundlich, dass ich am Ende doch bleiben wollte. Wie auch immer, geschlafen habe ich lieber im Schlafsack, das Bett war nicht sehr einladend.

Tag 3 (Taliouine - Tazenakht):
Am nächsten Morgen war ich sehr früh wach, so dass ich bereits gegen sieben Uhr im Sattel saß. Eine sehr hügelige Etappe in den Ausläufern des Anti-Atlas stand an. Bereits kurz hinter Taliouine wartete ein 10 Km langer Anstieg auf mich, der es in Kombination mit heftigem Gegenwind ganz schön in sich hatte. Der Blick zurück ins Tal war jedoch ein schöner Lohn.

Nach ca. 30 Km erreichte ich ziemlich erschöpft den 1886 m hohen Tizi-n-Taghatine, wonach die Strecke deutlich weniger anstrengend war. Die beiden noch ausstehenden Pässe waren aufgrund der hohen Ausgangshöhe ein Spaziergang im Vergleich zum ersten. Die wenig befahrene Strecke verlief größtenteils durch öde, wüstenähnliche Landschaften, war aber stets durch eindrucksvolle, felsige Berge eingerahmt.

In Tazenakht wählte ich das überaus angenehme Hotel Taghadoute als Domizil, was mich mit Frühstück und Dusche im Zimmer 80 Dhs kostete, womit ich sehr gut leben konnte.

Tag 4 (Tazenakht - Zagora):
Die nächste Etappe war die bis dato mit Abstand reizvollste. Zunächst verfolgte die Straße nach Agdz diverse teilweise recht tiefe Täler, welche von Oueds (= meist ausgetrocknete Flussläufe, wasserführend nur nach ergiebigen Regenfällen oder zur Schneeschmelze) geschaffen worden waren und oft bizarre Felsformationen aufwiesen. Die Strecke war kaum befahren und dadurch noch schöner zu beradeln, es hat sich anscheinend noch nicht zu den Wohnmobiltouristen herumgesprochen, dass die Straße inzwischen asphaltiert ist. Also nicht weitersagen...

In Agdz wollte ich eigentlich übernachten, aber die Stadt gefiel mir überhaupt nicht. Überall hatte ich das Gefühl dass man mich abziehen wollte, was sich dann in einem kleinen, kaum touristischen Restaurant leider bewahrheitete, als man mir für ein Omelette plus Cola dreiste 60 Dhs abknöpfte. Normal wären höchstens 15 Dhs gewesen, aber alles Meckern stieß auf taube Ohren. Dies war das erste und letzte Mal, dass ich nicht vorher nach dem Preis gefragt habe. Jedenfalls wollte ich partout nicht in dieser Gaunerstadt bleiben und fuhr deswegen ohne rechten Plan weiter.
Die Straße nach Süden verlief nun durch das wundervolle Draa-Tal, welches von Kasbahs (= Lehmburgen), Ksour (= Lehmdörfer) und Palmen gesäumt ist und dazu von felsigen Bergen eingerahmt ist. Es gefiel mir so gut dass ich nun doch entgegen meiner ursprünglichen Planung weiter dem Tal bis nach Zagora folgen wollte. Mein Vorhaben, diesen Plan noch am selben Tag zu verwirklichen, wurde zu einem enormen Kraftakt als im Laufe des Nachmittags der zuvor schwache Gegenwind auffrischte.

Etwa während der letzten 30 Km bis Zagora ging ich absolut auf dem Zahnfleisch und fuhr so langsam, dass ständig einige Kinder neben mir herradeln konnten. Einige waren unterhaltsam, aber viele baten mich auch duzende Male um Stylos (Stifte), Bonbons oder Dirhams, was auf Dauer doch etwas nervtötend war. Erst mit Einbruch der Dunkelheit erreichte ich völlig erschöpft Zagora.
Mit der eher zufälligen Wahl des Hotels Vallee du Draa (80 Dhs für Zimmer mit Dusche und Frühstück) hatte ich großes Glück, der Besitzer war ausgesprochen freundlich und ich quatschte mit ihm noch bis kurz vor Mitternacht. Ich lernte von ihm einiges, zum Beispiel warum die Kinder immer Stifte haben wollen und warum man in Marokko keine Frauen fotografieren sollte.

Tag 5 (Zagora - Tazzarine per Taxi, Tazzarine - Alnif):
Tags darauf war mein Plan per Taxi nach Alnif zu fahren und von dort aus nach Tineghir zu radeln. Doch es kam anders: zunächst musste ich erfahren, dass mich ein normales Taxi nach Alnif 600 Dhs kosten würde, weswegen ich mich für ein Sammeltaxi nur bis nach Tazzarine entschied, was nur 40 Dhs kosten sollte. Diese Entscheidung war folgenschwer, denn es sollte geschlagene sieben (!!!) Stunden dauern, bis die 120 Km bis Tazzarine absolviert waren. Mit dem Fahrrad wäre ich in etwa ebenso schnell gewesen! Zunächst dauerte es knapp drei Stunden, bis sich genügend (d.h. 3) Personen eingefunden hatten, welche nach Tazzarine wollten. Die Warterei in der Gluthitze und im Müll des Taxihofes von Zagora war sehr unangenehm.

Doch dann erst begann die richtige Odysee: alle drei, vier Kilometer stieg jemand ein oder aus, die Zahl der Mitfahrer schwankte zwischen 4 und 13 (plus ein Huhn). Teilweise war es also sehr kuschelig in dem normalen Kombi, dazu lief sehr laute arabische Musik (eine Kassette, mindestens siebenmal hintereinander) und viele Fahrgäste sowie immer der Fahrer grölten mit, sobald der Refrain kam. Alles in allem schon ein riesiger Spaß, doch die Krönung kam erst noch: nach der Hälfte des Weges wollte der Fahrer eine Teepause einlegen! Ich reagierte etwas ungeduldig und drängte zur Weiterfahrt, doch ich wurde besänftigt: "Seulement 5 minutes, monsieur". Während der nächsten anderthalb Stunden wurden zahlreiche Tassen Tee getrunken und unzählige Datteln gegessen, mein ausdauerndes Nörgeln und Quengeln wurde nur belächelt. Irgendwann gewöhnte ich mich an den Gedanken, dass ich in Tazzarine übernachten müsse und von da an konnte ich die Odysee sogar in einem gewissen Sinne genießen. Letztendlich war es ein unvergessliches Erlebnis, welches ich auf keinen Fall missen möchte. Da machte es dann auch nichts mehr, dass wir gut 30 Km vor Tazzarine noch mal eine Dreiviertelstunde pausierten, um auf ein Anschlusssammeltaxi zu warten.

Gegen halb vier Uhr erreichten wir dann schließlich Tazzarine wo ich erfreut starken Westwind feststellte. So konnte ich es doch noch vor der Dunkelheit bis nach Alnif schaffen. Da ich noch nichts gegessen hatte kaufte ich noch schnell zwei Brote, welche ich kurz darauf während der flotten Fahrt verzehrte. Trotz der bescheidenen Mahlzeit war die Fahrt sehr schön, denn die Steinwüste bot in der späten Nachmittagssonne fantastische Anblicke. Und selbst die Kinder waren an diesem Tag angenehm unaufdringlich, und so teilte ich einige Male mit ihnen Wasser und Kekse (sonst hatte ich auch nix zu bieten). Leuchtende Kinderaugen und unverständliches Gebrabbel waren ein wundervolles Dankeschön.

In Alnif kehrte ich im Hotel Bougafer ein, welches in jeder Hinsicht absolut empfehlenswert ist (Zimmer+Dusche+Frühstück=100Dhs). Vor allem mein Abendessen, Tajine und Berberomelette, war ausgezeichnet.

Tag 6 (Alnif - Gorges du Todhra):
Nach knapp elf Stunden Schlaf und einem ausgezeichneten Frühstück war ich voller Tatendrang und freute mich auf die anstehenden 47 Pistenkilometer auf der R 113. Und in der Tat bereitete mir die Piste große Freude, denn die Fahrt war sehr abwechslungsreich, sowohl was die Landschaft als auch was den Zustand der Piste angeht. Insgesamt war die Piste ganz gut zu fahren, in einer matschigen Palmenoase war sie sehr tief zerfurcht, mit dem Auto hätte man hier große Probleme gehabt.

Anschließend machte ich mich auf den Weg in die Todhra-Schlucht, welche wie erwartet sehr beeindruckend und gewaltig war. Allerdings wurde die Idylle leider durch die Massen an Touristen stark beeinträchtigt. Auch meine Wahl des Hotels Yasmina direkt an der engsten (und touristischsten!) Stelle der Schlucht war kein Volltreffer, denn der Preis war mir mit 250 Dhs (inkl. Dinner+Frühstück) eigentlich viel zu hoch. Als dann auch noch zwei Busladungen Touristen im Hotel eincheckten wurde es richtig unruhig und laut, so dass ich mich für zwei Stunden in den weiter oben gelegenen Bereich der Schlucht verkrümelte, wo fast kein Mensch mehr unterwegs war. Leider schlug an diesem Abend eine Erkältung voll bei mir ein, so dass ich die halbe Nacht mit Halsschmerzen und Triefnase wachlag.

Tag 7 (Gorges du Todhra - Boumalne):
Am nächsten Morgen war ich völlig entkräftet und wackelig auf den Beinen. So konnte ich mich für den Trubel des Souks (= Markt) von Tineghir auch nur teilweise begeistern und verweilte nur kurz. Als auf meinem Weg nach El-Kelaa-M'gouna dann auch noch starker Gegenwind einsetzte war mir klar dass ich heute nur bis Boumalne fahren würde.

In der Ortschaft Imiter brüllten mich drei Halbstarke an, doch ich ignorierte sie, weil ich gerade mehr mit mir selbst und dem Gegenwind beschäftigt war. Plötzlich flogen mir Steine um die Ohren und ein faustgroßes (!!) Exemplar landete in den Speichen meines Vorderrades, welches auf wundersame Weise schadlos blieb. Ziemlich sauer und natürlich auch geschockt suchte ich noch im selben Ort ein Cafe auf, um durchzuatmen und mich über die Jungs auszulassen. Dort gab es einen Billardtisch und ich konnte mich an dem Dorf revanchieren, indem ich gegen den selbsternannten "Champion d'Imiter" im Billard zweimal mit viel Glück gewann. Danach war meine Laune schon wieder viel besser, denn die Leute im Cafe waren sehr freundlich und unterhaltsam gewesen.

Kurz nachdem ich wieder aufgebrochen war, tauchte am Horizont das schneebedeckte Massiv des Ighil M'Goun (4071m) auf und bot einen atemberaubenden Anblick. Wenig später standen irgendwo in der Wüste direkt neben der Straße drei Wohnmobile aus England in einer Wagenburgformation. Zwischen ihnen saßen die zugehörigen Ehepaare und alle (d.h. auch die Frauen!!) sonnten sich oben ohne, von der Straße aus gut sichtbar. Eine Fata Morgana? Nein, ich denke nicht. Vielleicht haben sie nicht mehr so genau gewusst in welchem Land sie sich gerade befanden. Oder sie fühlten sich einfach wie zuhause, immerhin hatten sie ihr Zuhause ja auch mitgebracht. Kopfschüttelnd fuhr ich kommentarlos weiter, was mich im Nachhinein etwas ärgerte. Aber die richtigen Sprüche fallen einem ja immer erst nachher ein...

In Boumalne landete ich in der Auberge Tamazirte (50 Dhs fürs Zimmer), wo ich den Rest des Tages vor mich hin vegetierte. Die Unterkunft an sich war sehr empfehlenswert, aber die Jugendlichen die sich im Restaurant rumtrieben waren mir viel zu aufdringlich und nervten mich gewaltig.

Tag 8 (Boumalne - Skoura):
Über Nacht besserte sich mein Zustand erheblich und nach einem guten Frühstück folgte eine traumhafte Etappe. Traumhaft nicht nur wegen des morgendlichen starken Rückenwindes, sondern auch wegen des abwechslungsreichen Dades-Tals mit seinen vielen Kasbahs und blühenden Bäumen. Mittags drehte der Wind und faul wie ich immer noch war blieb ich daher in Skoura.

Die Auberge Les Nomades stellte sich als ausgezeichnete Wahl heraus (150Dhs für Zimmer+Dusche+Dinner+Frühstück). Vor allem die drei neugierigen, lebhaften Kinder des Hauses unterhielten mich prächtig, unter anderem mit einem wuseligen Fussballspiel im Innenhof, bei denen ich gegen die zahlenmäßig überlegenen Kinder chancenlos war. Als ich jedoch anmerkte dass ich die Oase von Skoura gerne noch erkunden würde, da wurde der Chef des Hauses etwas lästig, weil er mich unbedingt führen wollte, am liebsten auf seinem Moped. Er verlangte dafür aber 70Dhs, welche ich nicht zahlen wollte.

Als ich alleine von dannen zog, spielte er die beleidigte Leberwurst und meinte, ich würde mich eh' nur verfahren und die Kasbahs sowieso nicht finden. Mit dem Verfahren sollte er Recht behalten, was aber ziemlich egal war, da die Oase überall sehr schön war und man sich gut einfach so treiben lassen konnte. Als ich dann doch irgendwann die Kasbah von Amerdihil suchte und nicht fand, geleitete mir ein sehr hilfsbereiter und netter Marokkaner auf seinem Rennrad den Weg, ganz ohne irgendwelche Ansprüche an mich zu stellen.

Nachdem ich die Kasbah kurz besichtigt hatte traf ich im trockenen Oued Martl aus Garmisch-Patenkirchen, der gerade mit Familie in seinem alten Peugeot 205 auf Rundreise war. Im Jahr zuvor hatte er Marokko beradelt und nun schwärmte er mir unter anderem von der relativ neu asphaltierten Strecke Ouarzazate/Skoura-Demnate vor. Nach einiger Zeit hatte er mir den Mund so wässrig geredet, dass ich mich mehr oder weniger bereits entschied es ihm gleichzutun und eben diese Route durch den Hohen Atlas zu wählen, anstatt den Tizi-n-Tichka zu fahren.
Nach dieser für mich sehr erfreulichen Begegnung studierte ich zwar noch lange mein Kartenmaterial, aber Martl hatte es tatsächlich geschafft und ich entschied mich für seine Variante.

Tag 9 (Skoura - (kurz vor)Toufrine):
Ich startete am nächsten Tag sehr früh, weil ich nicht einschätzen konnte wie gut ich über die beiden Pässe kommen würde. In den Tagen zuvor hatte mein letztes Jahr operiertes Knie öfters mal gezwickt und sich überhaupt etwas instabil angefühlt.

So erreichte ich jedenfalls bereits gegen 9 Uhr die Abzweigung von der N10 Richtung Demnate. Von dort an ging es zunächst 30km leicht, aber monoton bergauf bis zur Ortschaft Assermo. Ab Assermo ging es dann teilweise in Serpentinen hinauf zum ersten Pass auf unbekannter Höhe. Dieser Pass war noch nicht besonders hart, bot aber dennoch unglaubliche Aussichten. Der zweite Pass auf 2210 Metern Höhe wenig später war um ein Vielfaches härter, zumindest in meiner Situation. Denn wie schon so oft zuvor war mir der Wind wiedereinmal über Mittag vom Freund zum Feind geworden.

Diesmal war es jedoch extremer als sonst, so dass die 10km-Auffahrt zu einem enormen Kraftakt wurde, für den ich mehr als anderthalb Stunden benötigte. Doch erst auf der Passhöhe bemerkte ich die wahren Ausmaße des Windes: Es war ein regelrechter Sturm der dort über mich hinwegfegte! Auch die Abfahrt nach Toufrine war dadurch geprägt, denn aus Angst, der Wind könnte mich von der Straße pusten, fuhr ich meist langsamer als 20 Km/h.

Aber es war dennoch irrsinnig schön, wie überhaupt das ganze Teilstück ab Assermo: Schneebedeckte Berge zum Greifen nah, gewaltige Felsformationen und tiefe Täler hinterließen mächtig Eindruck und Begeisterung bei mir. Zusätzliche Faszination gewann die Route durch ihre Abgeschiedenheit: Von der Abzweigung an der N10 bis nach Toufrine begegnete ich nicht einmal einem Dutzend Fahrzeuge.

Eines dieser wenigen Fahrzeuge fuhr Martl, ohne Frau und Kind, welche in Skoura verweilten, dafür mit drei Marokkanern, die er unterwegs aufgelesen hatte und nun nach Toufrine bringen wollte. Wir begegneten uns an einer wahrhaft paradiesischen Stelle, einem Zusammenfluss zweier wasserführender Oueds, umgeben von grünen Wiesen, wo ich gerade rastete.

Und weil es so schön war, beschlossen wir genau dort gemeinsam zu zelten. Martl brachte nur noch seine Mitfahrer nach Toufrine, besuchte zudem jemanden vor Ort den er vom letzten Jahr kannte und besorgte einige Lebensmittel. In der Zwischenzeit bereitete ich eine ordinäre Zahlensuppe zu, später zauberte Martl noch ein formidables Spaghettigericht mit viel Gemüse und Ziegenkäse aus Foum-Zguid. Anschließend starteten wir noch ein eher bescheidenes Lagerfeuer, doch es wurde schnell bitterkalt so dass wir uns in unsere Zelte verkrochen.


Tag 10 ((kurz vor)Toufrine - Imi-n-Ifri):
Am nächsten Morgen stellte Martl wenig erfreut einen Plattfuß an seinem Peugeot fest. Nachdem mit vereinten Kräften das Rad ausgetauscht worden war gab's zur Belohnung dank Martl Knuspermüsli mit Milch. Zwischendurch bekamen wir Besuch eines berittenen Berbers, der über Kopf- und Ohrenschmerzen klagte. Wir konnten nur mit Paracetamol dienen, wofür er jedoch schon sehr dankbar war.


Nach der tollen Müsli-Stärkung konnte ich den noch anstehenden serpentinenreichen Tizi-n-Outfi (2150m) einigermaßen problemlos bewältigen. Belohnt wurde ich wiedereinmal durch einmalige Aussichten, nachdem zuvor schon die Täler um Toufrine mit ihren vielen blühenden Bäumen eine Augenweide gewesen waren.

Oben auf dem Pass bog ich auf die Piste ab, welche direkt Richtung Imi-n-Ifri führt und ehemals die Verbindungsstrecke darstellte. Inzwischen wurde sie aber offensichtlich nur noch von Ziegenhirten genutzt, zumindest auf den ersten sieben Kilometern war sie in katastrophalem Zustand. Zu Fuß wäre ich hier schneller gewesen, sogar Tragepassagen waren dabei. Zwei sehr nette Begegnungen mit Ziegenhirten, mit denen ich mein Brot teilte, entschädigten für die Mühen. Als dann ein kleines Berberdorf kam wurde die Piste besser, wenn auch nicht gut. Die neue Schwierigkeit bestand in den zahlreichen Durchquerungen des immer größer werdenden Oueds. Die ersten drei oder vier Male kam ich noch unbeschadet durch, doch dann erwischte es mich und ich landete halb knietief im Wasser. Hätte ich doch bloß vorher meine Schuhe ausgezogen...

Als ich gerade wieder die asphaltierte Straße erreichte (die Piste währte nur 14 Km) traf ich wieder den Martl an, und wiederum hatte er vier marokkanische Mitfahrer dabei. Und wie am Tag zuvor verabredeten wir uns auch dieses Mal zu einem Wiedertreffen am Abend, diesmal bei der Naturbrücke Imi-n-Ifri. Auf dem Weg dorthin lauerte noch ein ganz gemeiner Pass auf meine müden Beine, der mir diesmal wirklich alles abverlangte. Der Lohn war eine sensationelle 13 Km lange Abfahrt nach Imi-n-Ifri, wo ich sogleich Martl wiedertraf. Wir erkundeten und bestaunten noch ausgiebig die gewaltige Naturbrücke, welche von Hunderten Fledermäusen bewohnt wird. Danach kehrten wir in dem anliegenden "Hotel" ein, wozu ich ein wenig gedrängt hatte (Duschzwang), was sich aber als Reinfall herausstellte. Eine Dusche gab es nämlich nicht (ich bekam immerhin einen Eimer warmes Wasser zum Waschen), und nachts war der Zugang zur Toilette verriegelt, so dass ich keine andere Wahl hatte als auf die Dachterrasse zu pinkeln...


Tag 11 (Imi-n-Ifri - Marrakesh):
Obwohl Martl mich beim Frühstück noch ausdrücklich davor gewarnt hatte verpasste ich tags darauf meine Abzweigung kurz hinter Demnate auf die Nebenstraße nach Marrakesh. Dies merkte ich viel zu spät und kehrte deswegen nicht mehr um, was zur Folge hatte, dass die öde Fahrt nach Marrakesh nun auch noch 13 Km länger wurde und auf größeren Straßen verlief. Es war das reinste Kilometerfressen.

Nachdem ich einer Einladung zum Tee gefolgt war wollten mich meine Gastgeber davon überzeugen dass ihre Cannabispfeife mir gut tun würde, aber ich ließ mich nicht überreden und verzichtete. Später genoss ich die wuselige Einfahrt in die doch recht große Stadt Marrakesh (850.000 Einw.). Ich wählte das Hotel Mimosa am Djemaa-El-Fna als Domizil für die nächsten drei Nächte (75 Dhs für Zimmer und Frühstück, absolut empfehlenswert!). Später am Abend tauchte ich in die wunderbare Welt der Garküchen des Djemaa-El-Fna ein, wo ich in den nächsten beiden Tagen immer wieder landen sollte.


Tage 12 und 13 (Marrakesh):
An den beiden Ruhetagen ließ ich es wirklich ruhig angehen und mich einfach so treiben durch die wahnsinnige Stadt. Ich genoss die Atmosphäre, nur der stürmische Wind trübte das Bild ein wenig, da ständig viel Staub in der Luft herumwirbelte und meine Atemwege stark belastete. Zudem muss ich gestehen, dass die Zeit in Marrakesh zu einer der ansonsten eher seltenen Phasen dieser Reise gehörte, während derer ich mich doch etwas einsam fühlte.


Tag 14 (Marrakesh - Ijoukak):
Nach den beiden sogenannten Ruhetagen fühlte ich mich leider zunächst alles andere als ausgeruht. Während der ersten 30 Km Richtung Hohem Atlas, auf denen ich nahezu unsichtbare 400 Höhenmeter bewältigte, fühlte ich mich total gerädert. Erst nach einem Tee in Tahanaoute ging es deutlich bergauf, sowohl was die Streckenführung als auch was meine Verfassung anbelangt.

Nach einem sensationell günstigen Essen in Asni (Tee + Cola + Omelette = 10 Dhs) ging es dann durch verschiedene Täler mit wasserreichen Oueds ständig auf und ab. Ein leichter Rückenwind ließ mich hoffen, noch am selben Tag den Tizi-n-Test erreichen zu können. Doch nachmittags schien ein Gewitter aufzuziehen, der Wind drehte und kam nun stürmisch von vorne, so dass meine vorherigen Ambitionen schnell wieder vergessen waren.

Statt des geplanten Zeltens in Passnähe entschied ich mich nun wegen der dunklen Wolken für eine Absteige in Ijoukak (30Dhs). Es hätte auch bessere Unterkünfte gegeben, aber aus Gründen der Unaufmerksamkeit hatte ich einen kleinen Bargeld-Engpass. Immerhin gab's zum Abendessen eine ausgezeichnete Tajine für unschlagbare 20 Dhs. Das von mir erwartete Gewitter blieb übrigens aus, stattdessen grollte es nachts heftig in meinem Magen. Die durchaus unerwünschte Rache von Montezuma blieb mir nicht erspart, es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn er mir in ganz Marokko nicht begegnet wäre. Ich bin mir sehr sicher, dass das Couscous vom Vorabend am Djemaa-El-Fna dafür verantwortlich war, da hatte ich schon beim Essen so ein schlechtes Gefühl gehabt.


Tag 15 (Ijoukak - Taroudannt):
Bei der Abfahrt am nächsten Morgen gab ich dem sehr hilfsbereiten Jungen des Hauses noch 5 Dhs, welche er mit leuchtenden Augen blitzschnell vor seinem Vater versteckte. Eine sehr nette Szene. Danach machte ich mich an die recht angenehme Auffahrt zum Tizi-n-Test (2091m). Ungefähr ab der über 800 Jahre alten Moschee von Tinmal fährt man knappe 30km bergauf mit einer recht konstanten, durchweg humanen Steigung.

Zunächst war die Aussicht bzw. der Blick zurück grandios, doch kurz vorm Pass tauchte ich leider in dicke Wolken ein - es war die reinste Waschküche. Dazu war es bitterkalt und ich zog beinahe alle Klamotten an die ich dabeihatte. Als Handschuhe mussten Socken herhalten, da ich meine am Abflugtag in Hannover verloren hatte. Die Abfahrt hinunter in die Sous-Ebene war leider alles andere als ein Vergnügen, zumindest auf den ersten 15 Km: Die Sichtweite lag wegen der Wolken bei weniger als 30m, die Straße war in schlechtem Zustand und die Eiseskälte ließ mich fürchterlich frieren.

Zweimal legte ich in kleinen Cafes (bzw. eher Souvenirständen) eine Zwangspause ein, um meine halb abgefrorenen Extremitäten zu retten. Ich hatte mich so sehr auf die Abfahrt gefreut und nun dieser Alptraum...

Auch in der Sous-Ebene war es stark bewölkt, zudem fand gerade noch eine dämliche Oldtimerrallye von Agadir nach Ouarzazate statt. Ich verfluchte jeden einzelnen Porsche, Ferrari oder was auch immer an mir vorbeifuhr, denn für meinen Geschmack fuhren fast alle viel zu schnell und viel zu gefährlich. Doch die Rallyefahrer waren nicht einmal das größte Übel: viel schlimmer war der von mir so gefürchtete Westwind der Ebene, welcher mich heute wirklich mit aller Kraft in die Knie zwingen wollte. Beinahe wäre es ihm auch gelungen, doch ca. 20 Km vor Taroudannt nahte meine Rettung: ein drei Meter hoch mit Zweigen beladener Traktor überholte mich, ich raste ihm hinterher und schaffte es gerade noch so in seinen Windschatten. Bis kurz vor Taroudannt sog mich der Traktor nun mit entspannten 30 Km/h in seinem Windschatten hinter sich her, ein wahrer Glücksfall!

In Taroudannt war wie beim ersten Besuch gerade die Schule aus und wieder empfing mich ein wahnsinniges Menschengewusel. Ich war kaum weniger begeistert als zwei Wochen zuvor, zudem kam nun der irgendwie angenehme Effekt, dass ich mich in bekanntem Terrain bewegte. Zunächst steuerte ich den zentralen Platz an um einen Teller Couscous zu essen, denn ich war völlig ausgehungert. Ein paar ältere Herrschaften baten mich an ihren Tisch und so wurde das Essen eine sehr nette Angelegenheit. Mit dem Bericht vom Tizi-n-Test konnte ich sie stark beeindrucken, fortan hörten die Männer nicht mehr auf, mir mit Zusprüchen wie dem üblichen "bonne courage!" zu schmeicheln. Nach dem tollen Essen suchte ich zum zweiten Mal das Hotel Atlas auf, wo ich äußerst freundlich wiederempfangen wurde

Tage 16 und 17 (Taroudannt - Agadir per Taxi, Strandtag in Agadir):
Tags darauf war ich immernoch ziemlich erledigt von den Strapazen des Vortages und daher entschied ich mich für ein Sammeltaxi nach Agadir, die Strecke versprach eh' keine großen Reize. Die diesmal unspektakuläre Fahrt kostete mich 54Dhs (die Hälfte für's Fahrrad), anschließend fand ich in Agadir ein nettes kleines Hotel, ca. 2km vom Strand entfernt (Hotel Tamri, 70Dhs). Was folgte waren anderthalb Tage Strandurlaub wie sie jeder kennt, also nix wirklich Erzählenswertes. Highlight war definitiv ein zweistündiges Fußballmatch am Strand mit einigen dribbelstarken Marokkanern.


Tag 18 (Agadir - Al Massira):
Nach den unangenehmen 25km zum Flughafen lernte ich dort noch das Ehepaar Niehaus kennen, welches auf seiner dreiwöchigen Tour mit dem Rad viele Pistenkilometer im Anti-Atlas absolviert hatte, wodurch natürlich für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt war. Ich hoffe, dass ich ihr Angebot einer persönlichen Diashow irgendwann annehmen kann. Auch Mirko nahm den gleichen Flieger nach Stuttgart, so dass die vielen Stunden des Wartens dann doch recht kurzweilig waren. In Hannover gab's noch etwas Ärger mit einem rüpelhaften Flughafenangestellten, der unseren drei Fahrrädern durch Ignoranz Schaden an Lichtanlage bzw. Schutzblechen zufügte, aber so wild war's dann auch nicht. Andrea nahm mich am Flughafen in Empfang und wenig später war unser Zuhause in Vahrenwald erreicht und meine Reise am Ende angelangt.

Nachbetrachtung

Eine Art Fazit gehört wohl zu so einem Bericht dazu, aber ich will mich einigermaßen kurz fassen und das Ganze rein subjektiv angehen. Für mehr Informationen über die Bedingungen einer Radreise in Marokko verweise ich auf die sehr informative Seite von Jan Cramer (www.marokko-per-rad.de), welcher Marokko schon x-Male beradelt hat.
Die gesamte Reise war ein absoluter Traum war. Nur damit gleich keine Missverständnisse aufkommen. Doch wie bei jeder Reise gibt es Punkte, die ich beim nächsten Mal verbessern will:
An meinem Verhalten in Marokko stört mich im Nachhinein vor allem, dass ich oft etwas verschlossen war und mich dann mehr mit mir selbst als mit dem Land und seinen Menschen auseinandergesetzt habe. Dies ist mir bewusst geworden, als ich im Hohen Atlas einige Zeit mit Martl verbrachte. Er hatte eine ganz andere Art mit den Menschen umzugehen und ich denke, dass er mich ohne es zu wissen oder es zu beabsichtigen in dieser Hinsicht einiges gelehrt hat.
Im Hohen Atlas zeltete ich auch das einzige Mal, was ich ruhig öfter hätte machen können oder sogar sollen. Irgendwie hatte ich alleine nie so richtig Lust zu zelten. Zum Einen war ich wohl einfach etwas feige (völlig grundlos!), zum Anderen dachte ich bzw. denke ich immer noch, dass der ganze Ablauf des wilden Biwakierens mit Kochen, Zelt aufbauen etc. alleine etwas trostlos ist. Wäre Till zum Beispiel mitgekommen, so hätten wir wahrscheinlich fast nur gezeltet.
Als nächstes fällt mir ein, dass ich immer besonders schöne Zeiten hatte wenn ich auf Pisten unterwegs war. Trotzdem scheute ich mich stets davor Pisten zu fahren - auch dies vor allem da ich alleine unterwegs war. Meine ziemlich rudimentären Kenntnisse von Kettenschaltungen zum Beispiel sorgten stets für einige Unruhe bei dem Gedanken an eine Panne weit ab von Werkstätten oder Till. Nächstes Mal also mehr Pisten !!!
Nun habe ich es schon zweimal angeschnitten: Das Thema alleine reisen. Ganz kurz moch dazu: Trotz allen Nachteilen überwiegen für mich persönlich die Vorteile des gemeinsamen Reisens. Es war für mich kein Problem, diese Reise alleine zu machen und ich werde sicherlich auch in Zukunft Reisen alleine unternehmen. Wenn sich aber ein Reisepartner findet, der möglichst ähnliche Vorstellungen von so einer Tour hat wie ich, dann ist mir das auf jeden Fall lieber!
Zum Schluss nenne ich noch einige meiner persönlichen Highlights während der Tour, aufgrund meiner Faulheit nur in Listenform, völlig durcheinander und ohne Begründung: die Marokkaner (Gastfreundlichkeit!!), Taroudannt, das Draa-Tal, die erste Überquerung des Hohen Atlas, der Minz-Tee, die Strecke vor und nach Alnif, französisch sprechen, die Lehmarchitektur der Berber, das Dades-Tal, Couscous, winkende Kinder, Fußball mit Marokkanern, Marrakesh, der Tizi-n-Test (wenngleich ich am Pass selbst nichts sehen konnte..). Ganz weit oben mit großem Vorsprung steht bei mir fraglos die erste Atlasüberquerung auf der Strecke Ouarzazate-Demnate, was ich auch daran erkennen kann, dass ich mehr als die Hälfte der über 200 Fotos zwischen Assermo und Imi-n-Ifri gemacht habe.
Was die vielen Nepper, Bettler etc. angeht: Ich war nur sehr selten von ihnen genervt. So schlimm wie man es manchmal hört fand ich es absolut nicht. Vielleicht habe ich in der Hinsicht auch einfach ein dickes Fell (wegen Reisen z.B. im Iran oder in Indien). Mein Aussehen mit Schlaghose und langen Haaren war eventuell suboptimal, die vielen Haschischverkäufer waren oft ganz schön hartnäckig. Aber wahrscheinlich geht's fast jedem alleinreisenden Touristen genauso.
Ich komme bestimmt noch einmal nach Marokko. Inch Allah!!