| Schon der Hinflug war einigermaßen spektakulär, denn die Route führte sehr nahe am Hohen Atlas entlang und die Aussichten auf die schneebedeckten Berge waren grandios (die Idee, mir beim Vorabend-Check-In einen Fensterplatz auf der entsprechenden Seite zu sichern, hatte ich aus dem Rad-Forum geklaut). |
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Nach ca. 30 Km erreichte ich ziemlich erschöpft den 1886 m hohen Tizi-n-Taghatine, wonach die Strecke deutlich weniger anstrengend war. Die beiden noch ausstehenden Pässe waren aufgrund der hohen Ausgangshöhe ein Spaziergang im Vergleich zum ersten. Die wenig befahrene Strecke verlief größtenteils durch öde, wüstenähnliche Landschaften, war aber stets durch eindrucksvolle, felsige Berge eingerahmt. |
| Die Straße nach Süden verlief nun durch das wundervolle Draa-Tal, welches von Kasbahs (= Lehmburgen), Ksour (= Lehmdörfer) und Palmen gesäumt ist und dazu von felsigen Bergen eingerahmt ist. Es gefiel mir so gut dass ich nun doch entgegen meiner ursprünglichen Planung weiter dem Tal bis nach Zagora folgen wollte. Mein Vorhaben, diesen Plan noch am selben Tag zu verwirklichen, wurde zu einem enormen Kraftakt als im Laufe des Nachmittags der zuvor schwache Gegenwind auffrischte. |
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Gegen halb vier Uhr erreichten wir dann schließlich Tazzarine wo ich erfreut starken Westwind feststellte. So konnte ich es doch noch vor der Dunkelheit bis nach Alnif schaffen. Da ich noch nichts gegessen hatte kaufte ich noch schnell zwei Brote, welche ich kurz darauf während der flotten Fahrt verzehrte. Trotz der bescheidenen Mahlzeit war die Fahrt sehr schön, denn die Steinwüste bot in der späten Nachmittagssonne fantastische Anblicke. Und selbst die Kinder waren an diesem Tag angenehm unaufdringlich, und so teilte ich einige Male mit ihnen Wasser und Kekse (sonst hatte ich auch nix zu bieten). Leuchtende Kinderaugen und unverständliches Gebrabbel waren ein wundervolles Dankeschön. |
| Nach knapp elf Stunden Schlaf und einem ausgezeichneten Frühstück war ich voller Tatendrang und freute mich auf die anstehenden 47 Pistenkilometer auf der R 113. Und in der Tat bereitete mir die Piste große Freude, denn die Fahrt war sehr abwechslungsreich, sowohl was die Landschaft als auch was den Zustand der Piste angeht. Insgesamt war die Piste ganz gut zu fahren, in einer matschigen Palmenoase war sie sehr tief zerfurcht, mit dem Auto hätte man hier große Probleme gehabt. |
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Kurz nachdem ich wieder aufgebrochen war, tauchte am Horizont das schneebedeckte Massiv des Ighil M'Goun (4071m) auf und bot einen atemberaubenden Anblick. Wenig später standen irgendwo in der Wüste direkt neben der Straße drei Wohnmobile aus England in einer Wagenburgformation. Zwischen ihnen saßen die zugehörigen Ehepaare und alle (d.h. auch die Frauen!!) sonnten sich oben ohne, von der Straße aus gut sichtbar. Eine Fata Morgana? Nein, ich denke nicht. Vielleicht haben sie nicht mehr so genau gewusst in welchem Land sie sich gerade befanden. Oder sie fühlten sich einfach wie zuhause, immerhin hatten sie ihr Zuhause ja auch mitgebracht. Kopfschüttelnd fuhr ich kommentarlos weiter, was mich im Nachhinein etwas ärgerte. Aber die richtigen Sprüche fallen einem ja immer erst nachher ein... |
| Die Auberge Les Nomades stellte sich als ausgezeichnete Wahl heraus (150Dhs für Zimmer+Dusche+Dinner+Frühstück). Vor allem die drei neugierigen, lebhaften Kinder des Hauses unterhielten mich prächtig, unter anderem mit einem wuseligen Fussballspiel im Innenhof, bei denen ich gegen die zahlenmäßig überlegenen Kinder chancenlos war. Als ich jedoch anmerkte dass ich die Oase von Skoura gerne noch erkunden würde, da wurde der Chef des Hauses etwas lästig, weil er mich unbedingt führen wollte, am liebsten auf seinem Moped. Er verlangte dafür aber 70Dhs, welche ich nicht zahlen wollte. |
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So erreichte ich jedenfalls bereits gegen 9 Uhr die Abzweigung von der N10 Richtung Demnate. Von dort an ging es zunächst 30km leicht, aber monoton bergauf bis zur Ortschaft Assermo. Ab Assermo ging es dann teilweise in Serpentinen hinauf zum ersten Pass auf unbekannter Höhe. Dieser Pass war noch nicht besonders hart, bot aber dennoch unglaubliche Aussichten. Der zweite Pass auf 2210 Metern Höhe wenig später war um ein Vielfaches härter, zumindest in meiner Situation. Denn wie schon so oft zuvor war mir der Wind wiedereinmal über Mittag vom Freund zum Feind geworden. |
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Und weil es so schön war, beschlossen wir genau dort gemeinsam zu zelten. Martl brachte nur noch seine Mitfahrer nach Toufrine, besuchte zudem jemanden vor Ort den er vom letzten Jahr kannte und besorgte einige Lebensmittel. In der Zwischenzeit bereitete ich eine ordinäre Zahlensuppe zu, später zauberte Martl noch ein formidables Spaghettigericht mit viel Gemüse und Ziegenkäse aus Foum-Zguid. Anschließend starteten wir noch ein eher bescheidenes Lagerfeuer, doch es wurde schnell bitterkalt so dass wir uns in unsere Zelte verkrochen. |
| Am nächsten Morgen stellte Martl wenig erfreut einen Plattfuß an seinem Peugeot fest. Nachdem mit vereinten Kräften das Rad ausgetauscht worden war gab's zur Belohnung dank Martl Knuspermüsli mit Milch. Zwischendurch bekamen wir Besuch eines berittenen Berbers, der über Kopf- und Ohrenschmerzen klagte. Wir konnten nur mit Paracetamol dienen, wofür er jedoch schon sehr dankbar war. |
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Oben auf dem Pass bog ich auf die Piste ab, welche direkt Richtung Imi-n-Ifri führt und ehemals die Verbindungsstrecke darstellte. Inzwischen wurde sie aber offensichtlich nur noch von Ziegenhirten genutzt, zumindest auf den ersten sieben Kilometern war sie in katastrophalem Zustand. Zu Fuß wäre ich hier schneller gewesen, sogar Tragepassagen waren dabei. Zwei sehr nette Begegnungen mit Ziegenhirten, mit denen ich mein Brot teilte, entschädigten für die Mühen. Als dann ein kleines Berberdorf kam wurde die Piste besser, wenn auch nicht gut. Die neue Schwierigkeit bestand in den zahlreichen Durchquerungen des immer größer werdenden Oueds. Die ersten drei oder vier Male kam ich noch unbeschadet durch, doch dann erwischte es mich und ich landete halb knietief im Wasser. Hätte ich doch bloß vorher meine Schuhe ausgezogen... |
| Als ich gerade wieder die asphaltierte Straße erreichte (die Piste währte nur 14 Km) traf ich wieder den Martl an, und wiederum hatte er vier marokkanische Mitfahrer dabei. Und wie am Tag zuvor verabredeten wir uns auch dieses Mal zu einem Wiedertreffen am Abend, diesmal bei der Naturbrücke Imi-n-Ifri. Auf dem Weg dorthin lauerte noch ein ganz gemeiner Pass auf meine müden Beine, der mir diesmal wirklich alles abverlangte. Der Lohn war eine sensationelle 13 Km lange Abfahrt nach Imi-n-Ifri, wo ich sogleich Martl wiedertraf. Wir erkundeten und bestaunten noch ausgiebig die gewaltige Naturbrücke, welche von Hunderten Fledermäusen bewohnt wird. Danach kehrten wir in dem anliegenden "Hotel" ein, wozu ich ein wenig gedrängt hatte (Duschzwang), was sich aber als Reinfall herausstellte. Eine Dusche gab es nämlich nicht (ich bekam immerhin einen Eimer warmes Wasser zum Waschen), und nachts war der Zugang zur Toilette verriegelt, so dass ich keine andere Wahl hatte als auf die Dachterrasse zu pinkeln... |
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| Nachdem ich einer Einladung zum Tee gefolgt war wollten mich meine Gastgeber davon überzeugen dass ihre Cannabispfeife mir gut tun würde, aber ich ließ mich nicht überreden und verzichtete. Später genoss ich die wuselige Einfahrt in die doch recht große Stadt Marrakesh (850.000 Einw.). Ich wählte das Hotel Mimosa am Djemaa-El-Fna als Domizil für die nächsten drei Nächte (75 Dhs für Zimmer und Frühstück, absolut empfehlenswert!). Später am Abend tauchte ich in die wunderbare Welt der Garküchen des Djemaa-El-Fna ein, wo ich in den nächsten beiden Tagen immer wieder landen sollte. |
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| An den beiden Ruhetagen ließ ich es wirklich ruhig angehen und mich einfach so treiben durch die wahnsinnige Stadt. Ich genoss die Atmosphäre, nur der stürmische Wind trübte das Bild ein wenig, da ständig viel Staub in der Luft herumwirbelte und meine Atemwege stark belastete. Zudem muss ich gestehen, dass die Zeit in Marrakesh zu einer der ansonsten eher seltenen Phasen dieser Reise gehörte, während derer ich mich doch etwas einsam fühlte. |
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Statt des geplanten Zeltens in Passnähe entschied ich mich nun wegen der dunklen Wolken für eine Absteige in Ijoukak (30Dhs). Es hätte auch bessere Unterkünfte gegeben, aber aus Gründen der Unaufmerksamkeit hatte ich einen kleinen Bargeld-Engpass. Immerhin gab's zum Abendessen eine ausgezeichnete Tajine für unschlagbare 20 Dhs. Das von mir erwartete Gewitter blieb übrigens aus, stattdessen grollte es nachts heftig in meinem Magen. Die durchaus unerwünschte Rache von Montezuma blieb mir nicht erspart, es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn er mir in ganz Marokko nicht begegnet wäre. Ich bin mir sehr sicher, dass das Couscous vom Vorabend am Djemaa-El-Fna dafür verantwortlich war, da hatte ich schon beim Essen so ein schlechtes Gefühl gehabt. |
| Zunächst war die
Aussicht bzw. der Blick zurück grandios, doch kurz vorm Pass tauchte ich leider in dicke Wolken ein - es war die
reinste Waschküche. Dazu war es bitterkalt und ich zog beinahe alle Klamotten an die ich dabeihatte.
Als Handschuhe mussten Socken herhalten, da ich meine am Abflugtag in Hannover verloren hatte.
Die Abfahrt hinunter in die Sous-Ebene war leider alles andere als ein Vergnügen, zumindest auf den ersten 15 Km: Die Sichtweite lag wegen der Wolken bei weniger als 30m,
die Straße war in schlechtem Zustand und die Eiseskälte ließ mich fürchterlich frieren. Zweimal legte ich in kleinen Cafes (bzw. eher Souvenirständen) eine Zwangspause ein, um meine halb abgefrorenen Extremitäten zu retten. Ich hatte mich so sehr auf die Abfahrt gefreut und nun dieser Alptraum... |
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| Tags darauf war ich immernoch ziemlich erledigt von den Strapazen des Vortages und daher entschied ich mich für ein Sammeltaxi nach Agadir, die Strecke versprach eh' keine großen Reize. Die diesmal unspektakuläre Fahrt kostete mich 54Dhs (die Hälfte für's Fahrrad), anschließend fand ich in Agadir ein nettes kleines Hotel, ca. 2km vom Strand entfernt (Hotel Tamri, 70Dhs). Was folgte waren anderthalb Tage Strandurlaub wie sie jeder kennt, also nix wirklich Erzählenswertes. Highlight war definitiv ein zweistündiges Fußballmatch am Strand mit einigen dribbelstarken Marokkanern. |
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